Episode 01

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00:00:00: Hallo und willkommen zu einer neuen Folge von Freitag nach Eins, Bauen und Labern, Handwerk, Geschichten, Podcast.

00:00:12: Heute zu Gast, ein Ehrengast, muss man ja fast sagen, nämlich meine Mutter Rosi.

00:00:18: Hallo Rosi.

00:00:20: Ja, hallo Martin.

00:00:22: Ich freue mich sehr, dass wir uns heute hier an deinem Heimatort in deinem Geburtshaus treffen und du mir vielleicht darüber mal erzählen kannst, wie es für dich war, als Tochter eines Schmiedermeisters aufzuwachen.

00:00:38: Also, ich möchte sagen, war für mich sehr interessant und das, was ich mit meinem Vater alles mitbekommen habe, das kann ich heute noch anwenden.

00:00:48: Kann mit Haber und Ambus umgehen.

00:00:54: Ich weiß auch, wie man das macht.

00:00:59: Wir hatten auch auf dem Hof eine transportable Schmiede.

00:01:04: Da hab ich immer getreten und dann wurde die Kohle da erhitzt oder guckt und dann haben wir da was reingelegt und mein Vater hat mir dann die Zeit über die Schmiede.

00:01:16: Aber das kann ich noch weiter sehen.

00:01:19: Aber das war nicht das Einzige.

00:01:22: Ach, eine Feldschmiede, so hieß die.

00:01:24: Ich durfte auch, da war ich acht Jahre vielleicht dann mein Vater in der Schmiede im Dorf hier arbeitet.

00:01:32: Und natürlich hat mich da viel mehr der große Ofen interessiert.

00:01:38: In Ruß und Dreck aber fand ich sehr, sehr interessant.

00:01:41: Und da durfte ich dann auch mal, wie gesagt, mit Haber, wie ein Wilder da auf diese glühenden Eisengstücke rucklaufen und war fasziniert, wie platt ich die dann auch schon bekam.

00:01:56: Da muss ich noch mal kurz fragen, denn ich bin ja doch deutlich jünger.

00:02:00: Die Dorfschmiede liegt ja historisch gesehen zentral im Ort unten.

00:02:04: Heißt ja heute noch so alte Schmiede.

00:02:06: Und ich nehme mal an, dass die zum damaligen Zeitpunkt zur Herstellung von Gebrauchsgenständen genutzt wurde.

00:02:16: Mehr oder weniger?

00:02:19: Gebrauchtdienststände.

00:02:21: Ja, für draußen irgendwie.

00:02:24: Nägel wurden da geschmiedet.

00:02:26: Vor allen Dingen auch Griffe aus Eisen.

00:02:33: Also Beschläge würde ich sagen.

00:02:35: Ja,

00:02:35: Scharniere.

00:02:36: Scharniere

00:02:37: auch.

00:02:38: Aber das Wichtigste lange Jahre waren die Hufeisen.

00:02:42: Die geschmiedet wurden für die Pferde.

00:02:45: Und da gab es dann auch Formen, da wurde das glühende Zeug reingelegt.

00:02:53: Das war schon die Runde in dem Feuer.

00:02:57: Und dann hat der Schmiedes dann dort mit Nägeln verliebt.

00:03:04: Also erst mal mit Löchern für die Nägel.

00:03:06: Und selbst die Hupen Nägel wurden dort geschmiedet.

00:03:11: die Vier-Ecke, die man dann in die Hufe der Pferde eingeschlagen hat.

00:03:18: Zur Verdeutlichung für unsere Zuhörer, die jetzt nicht so vom Fach sind.

00:03:23: Heutzutage finden wir bei den Pferden, die man hier in den ländlichen Regionen sieht, doch wenig beschlagende Pferde, so nennen wir es ja.

00:03:34: Wir sehen die maximal noch im städtischen Raum, wenn sie dann über das Pflaster laufen oder über den Asphalt, über befestigte Straßenwege oder Kutschen, Kutschferde dienten ja hier die Pferde insbesondere für schwere Arbeiten in

00:03:49: der Forst

00:03:50: zum Rücken von Bäumen, zum Befördern von schweren Lasten, lange vor der Motorisierung.

00:03:57: Und das bedeutet, dass diese Pferde mit Hufeisen beschlagen worden sind, um zu vermeiden, dass sie sich ihre Hufe vertreten, schief treten, unter sich was eintreten, beziehungsweise meine ich, dass Hufeisen ja auch so eine Art Fusole darstellen.

00:04:18: Könnte

00:04:18: man sagen, ja genau, um den Fuß den Hufe... den Hof zu schützen.

00:04:24: Ja, also es waren regelmäßig wieder kerne Arbeit für den Schmied.

00:04:28: Genau.

00:04:29: Aber nicht zu vergessen die Pferde der Bauern.

00:04:32: In den Dörfern gab es ja rund um hier viele Bauern überhafte.

00:04:37: Die hatten alle Pferde außer einem.

00:04:40: Die hatte eine Kuhform oder eine Ostenform, Formen gespannt.

00:04:45: Ja, aber die wurden ja auch laufend beschlagen.

00:04:50: Und nochmal zur Verdeutlichung.

00:04:52: Papa Emil, was ja mein Opa Emil ist, hat zum damaligen Zeitpunkt dort an der Dorfschmiede sein Handwerk ausgeübt.

00:05:01: Ja, ja.

00:05:02: Und dort durftest du also mitlaufen oder mithelfen?

00:05:08: Helfen nicht, aber immer zugucken und auch bei Handgriff machen.

00:05:13: Und das hat da an dem heißen Gerät einfach so zugelassen?

00:05:17: Ja, sicher.

00:05:18: Eine Brille hat dich nicht auf.

00:05:20: kann ich mich nicht erinnern, aber irgendwie so eine Liederschutzart hat mir immer überstülpt.

00:05:26: Wahnsinn, das ist ja beeindruckend.

00:05:29: Ja, hat mir auch Spaß gemacht.

00:05:31: Und er hat auch hier im Ort Schmied gelernt, nicht bei Lind, also bei dem, sondern Gärtner ist der.

00:05:40: Das Haus steht jetzt noch, bevor man in die Muna reinfährt, in Ziverbiewied, da war die Schmied und da hat er seinen Beruf erlernen.

00:05:52: Das ist ja fast schon ein Wortwitz, ein Schmied, der Gärtner heißt.

00:05:58: Ja.

00:06:01: In dem Fall.

00:06:01: Aber sind wir jetzt nochmal beim Thema.

00:06:03: Du hast quasi dann als Kind und also natürlich auch später miterleben können, wie sich das Schmiedehandwerk, das der Opa Emil ausgeführt hat, ja auch gewandelt hat.

00:06:17: Als der mein Vater aus dem Krieg.

00:06:20: kam und der Schmid, Herr Lind, der alte Senior, der war noch im Krieg in die Fangenschaft.

00:06:29: Und da kam die Frau oder die Mutter, kam und sagte, Mensch, Emil, kannst du nicht helfen?

00:06:38: Wir hätten so viel Arbeit, also siehe Pferde, Armee-Pferde für den Russen und so, kannst du nicht?

00:06:45: Und so weiter, ja.

00:06:46: hat er gesagt, klar mache ich, komme ich.

00:06:48: Und so begann seine Arbeit dort in der Schmiede.

00:06:54: Und es fand aber, ach so, da hatte er auch den Nürnenschmied, den Ludwig Lindt ausgebildet.

00:06:59: Das war sein Lehrling.

00:07:02: Den ich natürlich noch persönlich kenne.

00:07:06: Der wiederum mich als Kindergartenkind, also quasi Vorschule, Kindergarten, knapp vier, sechs Jahre alt, sehr zuvorkommend behandelt hat, vielleicht zu verdeutlichen, die Dorfschmiede bestand, dass einem Hof geführt, in dem große, erst mal eine Schmiedewerkstatt war, selbstverständlich mit dem Schmiedeeisen der Feuerstelle, in der das Metall bearbeitet worden ist, diverse Gerätschaften und Arbeitsplätze, davor ein schräges Schleppdach, unter dem auch Tätigkeiten ausgeführt wurden und unmittelbar davor Anschlagplätze für Pferde.

00:07:42: Dort eine Mauer, vielleicht zwei Meter hoch.

00:07:45: Und auf diese Mauer wurde ich dann gesetzt, wenn ich vom Kindergarten mal zum Ludwig Lindt dem Dorf schon mit rüber lief, wenn der nämlich Pferde beschlagen hat, die wiederum so groß waren, dass ich als Pippel faktisch unter die Räder gekommen, oder hier unter die Hufe.

00:08:02: So setzte er mich dann da immer hoch und ich schaute diesem großen, in der Regel war es Kaltblüter, wer Ahnung von Pferden hat, also eher ruhige Pferde zum Ziehen und Bewegen von Lasten, sehr gut geeignet in der Forst, schaute den beim Beschlagen zu.

00:08:18: Dann war es ja immer die legendäre Haltung des Schmiedes, der sich den Hufe quasi zwischen die Beine klemmte, rückwärtig, um dann mit einem entsprechenden Werkzeug, einer Zange in der Regel.

00:08:31: Ja, es war ja heiß.

00:08:33: Korrekt?

00:08:33: Ja, die Hufallen waren ja nicht mietig und heiß und es qualmte.

00:08:38: Und es roch.

00:08:39: Ja, nach Horrern, nach Verbranthenborn.

00:08:41: Das muss

00:08:41: man leider auch sagen.

00:08:43: Das fand ich sehr bemerkenswert.

00:08:46: Es ist eine der ganz frühen Erinnerungen für mich persönlich an ein Handwerk, welches im dörflichen Bereich, zentral im dörflichen Bereich, angesiedelt war.

00:08:57: und dort auch ausgeübt.

00:08:58: Ja, ja.

00:09:00: Und du wiederum, duftest quasi als Tochter des Schmiedemeisters Emil Cockhart, nennen wir ihn mal beim Namen, in Erinnerung, duftest sozusagen beim ehemaligen Gesellen, wie Ludwig Lindt, dann immer auch gerne mal vorbeischauen.

00:09:20: Genau, genau.

00:09:21: Der hat einen Febel für uns dann, für den Rest der Familie.

00:09:26: Und daher rührt auch wahrscheinlich die Zuleitung zu dir.

00:09:31: Ich vermute es.

00:09:32: Auf dem Dorf entstehen ja sehr viele Beziehungen, deren man erst so richtig gewahr wird, wenn man das mal hinterfragt.

00:09:40: Es ist so, dass die Zuneigung oder auch die Abneigung untereinander oft historisch bedingt ist.

00:09:46: Hier können wir aber von einer sehr positiven Geschichte sprechen und wenn man das ja noch weiter ausführen darf.

00:09:53: ist der Ludwig Lind ja dann auch später sehr oft für uns tätig geworden zur Fertigstellung oder Herstellung von Metallgebrauchsgegenständen.

00:10:06: Wir reden vom Hoftor.

00:10:08: Wir reden von einem, heute würde man sagen, Pavillon.

00:10:13: Damals war es die Behälfsgarage für ein legendäres Fahrzeug.

00:10:18: Wir reden von einem Schleppdach, was man heute gerne sehr ... teuer erwirbt aus fernen Ländern, aber zum damaligen Zeitpunkt nach Aufmaß und Skizze vor Ort gefertigt worden ist, aus Rohstoffen, die aus der Region stammt.

00:10:32: Ja, ja.

00:10:33: Bin aber abgeschweift.

00:10:35: Jetzt kommt es natürlich.

00:10:37: Wir müssen uns fragen.

00:10:39: Liebe Rosi, warum bist du nicht Schmiedemeisterin geworden?

00:10:46: Ich denke mal, das hat mit meinem Körper mit meiner Figur zu tun.

00:10:51: Ich war noch nie Ich war immer schlank und hatte auch nicht so viel Gewicht.

00:11:00: Und wenn ich dann ein Hammer schwingen sollte, einen großen Mottock oder so, das wäre schief gegangen.

00:11:08: Also ich denke immer daran wird es liegen.

00:11:10: Aber ich habe ja zu Hause auf dem Hof hier mit meinem Vater, Feldschmied hatte ich erwähnt, weitergebracht.

00:11:18: Und zwar haben wir ein bisschen Geld zu bekommen.

00:11:26: noch dazu zu bekommen, haben wir aus den Blechen, aus Bonitionskisten, kleine, vielleicht so zehn mal fünf Metallblechstückchen geschnitten, und zwar mit so einer Eisenquetsche.

00:11:48: Und da habe ich fleißig mitgemacht, fand ich toll.

00:11:51: Und die wiederum waren für die Bäckerei, für die Örtliche, Die wurden dann installiert an der Seite und da schuppern die Kuchenblechereien.

00:12:01: Okay, wie so eine Art Aufnehmer.

00:12:03: Ja.

00:12:04: Wie wenn man einen konventionellen Herd hat, in dem man jetzt einen Ofenblech reinschieben, damit es nicht runterpoltert.

00:12:10: So ungefähr.

00:12:11: Das wiederum muss man jetzt mal fachlich fragen.

00:12:14: Das fehlt mir auch so die Erinnerung.

00:12:16: Hast du mir schon mal berichtet?

00:12:18: War aber keine Schmiede im klassischen Sinne, weil war es heiß, das Blech?

00:12:24: Nein.

00:12:24: Das wurde kalt verformt.

00:12:26: Das wurde kalt verformt.

00:12:27: Das wurde gepresst

00:12:28: oder abgekantet, würde man heute sagen, oder?

00:12:31: Mit hier auf dem Hof habe ich das nur immer.

00:12:34: Nein, war nicht heiß, gar nicht.

00:12:36: Da warst du dann sozusagen aber in einer ... Hilfsarbeiter.

00:12:40: Hilfsarbeiter in einer Serienproduktion.

00:12:43: Ja, genau, genau.

00:12:45: Und ich habe auch, als der Schub mir gebaut wurde, der ja heute noch steht, Da habe ich auch das Dach mit Decken helfen.

00:12:57: Ja, erhornt.

00:12:59: Ja, auch aus diesen Teilen aus den Munitionskisten.

00:13:07: Da gab es längliche Kisten und auch quadratische, also quadratische, rechteckige Kisten, verschiedene.

00:13:16: Und die haben wir aber auf eine Länge quadratisch waren, die dann alle.

00:13:22: Ja.

00:13:22: Und dann ... Warum die aber auf einer Seite rosa waren?

00:13:27: Angestrichen mit irgendwelchen... Weiß ich, das kann ich nicht sagen, auf der anderen Seite also der Zimtzig Original schon.

00:13:35: Ja.

00:13:36: Und dann haben wir, mein Vater und ich, haben wir das wie so ein Schachbrett immer verlegt.

00:13:45: Ja.

00:13:45: Dann hatten wir helle rosa, helle rosa und dann nachher wechselt.

00:13:52: Das ist ja Kunst.

00:13:53: Ja, ja, das war wieder Schmiedekund.

00:13:57: So haben wir das ganze Dach hier deckt.

00:14:00: Und ein Rest ist ja noch auf der Giebelseite rechts zu sehen.

00:14:04: Da sind, glaube ich, sogar noch ein paar Flächen dran.

00:14:08: Aber dort ist später gekommen.

00:14:11: Richtig, aber auch schon locker, siebzig Jahre her.

00:14:15: Länger.

00:14:16: Ich war so zehn Jahre, jetzt bin ich ja, ist länger her.

00:14:22: Schamant umschifft.

00:14:24: Keine persönlichen Fragen.

00:14:26: Wir

00:14:26: können Millionen Menschen zuhören.

00:14:29: Aber sie hätten auch viel Respekt, wenn sie dich sehen würden.

00:14:32: Denn wir waren ursprünglich ja bei der Frage, die ich natürlich so ein bisschen in den Raum gestellt habe, warum du nicht Schmiedemeisterin geworden bist.

00:14:39: Es ist eine schwere Arbeit.

00:14:41: Es ist ja heute sicher noch eine anspruchsvolle Tätigkeit.

00:14:44: Selbstverständlich ändert sich ja das Berufsbild.

00:14:47: Ja, wird einfacher mit mehr Mitteln erleichtrogen.

00:14:51: Richtig, der technische Einsatz ist ja viel

00:14:53: höher.

00:14:54: und dann

00:14:55: reden wir heute von der industriellen Fertigung.

00:14:58: Ja, ja, ja.

00:14:59: Im Übrigen... Darf man ja auch sagen, dass Opa Emil als Gesenksmit?

00:15:04: Ja, er hat auch Lehrleger ausgebildet.

00:15:07: Richtig.

00:15:07: Und dann quasi den Nachwuchs

00:15:11: ausgebildet hat.

00:15:12: Ja, Männer.

00:15:14: Genau.

00:15:18: Du hast dich aber entschieden, den Menschen zu dienen.

00:15:21: Ja, genau.

00:15:22: Das

00:15:22: ist aber eine andere Geschichte.

00:15:24: An dieser Stelle bedanke ich mich sehr herzlich.

00:15:28: Denn wir wissen ja alle, was uns die alten weisen Menschen erzählen.

00:15:32: Das trägt für die Zukunft und erklärt uns manchmal auch die Gegenwart.

00:15:37: Herzlichen Dank fürs Zuhören.

00:15:40: Wir hören uns für die nächste Folge.

00:15:44: Einen schönen Abend noch und auf Wiederhören.

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